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2001
Das Mundloch des Münsterstollens
Etwa 3 km südlich von Aumenau liegen im Tal des Laubusbaches zwei Grubenfelder, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals verliehen wurden. Die Erschließung bzw. Erzabfuhr beider Gruben erfolgte über Aumenau; der Bahnhof Aumenau wies daher zeitweise das höchste Frachtaufkommen der Lahntalbahn auf.

Das Grubenfeld Strichen direkt nördlich des Dorfes Münster wurde 1840 dem Fürsten zu Wied verliehen, ging bald an den Deutsch-Holländischen Actien-Verein zu Duisburg über. In der Grube wurde seit 1857 Rot- und Magneteisenstein gewonnen. 1858 wurde aus dem Laubustal der „Strichener Stollen“ aufgefahren, das Erz gelangte mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Aumenau.

Das Grubenfeld Lindenberg, etwa 1 km südöstlich von Strichen, wurde erstmals 1848 an den Deutsch-Holländischen Actien-Verein verliehen. 1895 wurde es mit dreizehn weiteren Feldern zu einem großen Grubenfeld konsolidiert; 1896 begann der Abbau von gutem Magneteisenstein und Kupfererz, der jedoch schon 1901 wegen Transportproblemen wieder aufgegeben wurde.

1872 hatte die Firma Fried. Krupp in Essen beide Gruben erworben. 1906 bis 1911 wurde aus dem Leistenbachtal nahe Langhecke der Münsterstollen, auch „Kilometerstollen“ genannt, in südlicher Richtung 2.228 m weit zur Grube Strichen vorgetrieben, 1918 noch auf 2.296 m verlängert. Vom Mundloch des Münsterstollens wurde eine 1,4 km lange Schmalspurbahn zum Bahnhof Aumenau gebaut, über die ab 1911 die Erzabfuhr der Grube Strichen erfolgte.

Ab 1933 wurde vom Münsterstollen ein Zweigstollen nach Osten vorgetrieben, der das (stillliegende) Feld Lindenberg in 120 m Teufe unterfuhr. Nachdem Untersuchungen eine Lagerstätte von geschätzt 1,4 Millionen Tonnen Magnet-, Rot- und Flusseisenstein gezeigt hatten, entstanden ab 1936 neue Tagesanlagen und ein neuer Schacht, der bei 120 m Teufe den Münsterstollen erreichte und bis auf 160 m niedergebracht wurde. 1941 ging die neue Grube Lindenberg in Betrieb, das Erz wurde über den Münsterstollen und die Förderbahn zum Bahnhof Aumenau abgefahren.

Zur Rationalisierung wurde 1956 auf Lindenberg eine untertägige Erzaufbereitung in Betrieb genommen. 1963 wurde die Grube Strichen, die seit 1962 eine Abteilung der Grube Lindenberg war, geschlossen. Am 5. 2. 1970 wurde auf der Grube Lindenberg die zweimillionste Tonne Eisenerz gefördert (sie befindet sich heute im Bergbaumuseum Weilburg), bevor am 30. 6. 1970 die Grube Lindenberg als letzte Eisenerzgrube des Oberlahnkreises ihren Betrieb einstellte.







© Christoph König;   letzte Änderung: 4. 2. 2015