Startseite   Lahntalbahn   Anschlüsse

















Zufahrtstraße mit Verwaltung und Richthalle I
Zeitgleich mit dem Bau der Lahntalbahn musste für die Nassauische Lahntalbahn eine Werkstatt eingerichtet werden. Der Limburger Moritz Hilf sorgte als Bauleiter der Lahntalbahn dafür dass die „Zentralwerkstätte“ in seiner Heimatstadt angesiedelt wurde; 1862 wurde sie eröffnet. 1864 wurde sie der neugegründeten Herzoglich-Nassauischen Eisenbahndirektion in Wiesbaden unterstellt, zwei Jahre später kam sie (mit dem ganzen Herzogtum) zum Königreich Preußen und wurde der Königlichen Eisenbahndirektion (KED) Wiesbaden, ab 1880 Frankfurt (Main), zugeordnet.



Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes an der Lahn, im Taunus und Westerwald wuchsen auch die Aufgaben der Werkstätte, deren Gebäude und Anlagen stetig erweitert werden mussten. Die Unterhaltung von Lokomotiven (und später Akkumulator-Triebwagen), Personen- und Güterwagen sowie Weichen gehörten zum Aufgabengebiet des Werkes. Wegen der stetigen Ausweitung des Betriebs erfolgte 1908 eine Aufteilung in die Werkstättenämter a (Lokomotiven) und b (Waggons), bis schließlich – nach dem Übergang der Preußischen Staatseisenbahnen auf die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft – 1922 der gesamte Betrieb zum Reichsbahn-Ausbesserungswerk Limburg (Lahn) vereinigt wurde.

1924 wurde die Lokomotivwerkstatt nach Darmstadt verlagert, dafür wurde die 1919 aus der Not gegründete Elektrowerkstatt, die z. B. alle elektrischen Fahrmotoren der Direktion Frankfurt reparierte, stetig ausgebaut und erweitert. Rückschläge erlebte das Werk während der französischen Rheinlandbesetzung, die 1923/24 bis nach Limburg ausgedehnt wurde (die wertvollste Ausstattung wurde zum Schutz vor Requirierung teilweise in einem Güterzug nach Lollar ausgelagert) und vor allem zum Ende des Zweiten Weltkriegs; zwischen dem 19. 4. 1944 und dem 25. 4. 1945 wurde das Werk dreimal bombardiert und war schließlich zu 85% zerstört.

In den ersten Nachkriegsjahren wurde das Werk wieder aufgebaut. Im Rahmen der Neuorganisation der Ausbesserungswerke der DB Anfang der 1950er Jahre wurde die Weichenfertigung aufgegeben, dafür übernahm das Aw Limburg 1952 für die gesamte Bundesbahn die Wartung der Akkumulator-Triebwagen (bis 1995), die Instandsetzung elektrischer Spezialmaschinen sowie bestimmte Umbauaufgaben. Darüber hinaus war das Werk für die Unterhaltung der Bahndienstwagen, die Aufarbeitung elektrischer Maschinen und Geräte sowie den Umbau gedeckter Güterwagen zuständig. 1977/78 wurden noch einmal 100 Dampflokomotiven in Limburg zerlegt. Später kam die Wartung von Reisezugwagen hinzu.

In den siebziger Jahren waren in Limburg bis zu 232 Triebwagen ETA 150 (Baureihe 515) und 8 Triebwagen ETA 176 (Baureihe 517, die berühmte „Limburger Zigarre“) sowie die 224 zugehörigen Steuerwagen, dazu zeitweilig bis zu 6.000 Bahndienstwagen zu unterhalten.

Das Ausbesserungswerk war über viele Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber in Limburg. 1919 erreichte es mit ca. 3.000 Beschäftigten den höchsten Stand, im Jubiläumsjahr 1987 waren es immerhin noch 750 Bedienstete und über 200 Auszubildende. Doch der „Strukturwandel“ bei der Deutschen Bundesbahn bedrohte bereits in den achtziger Jahren den Bestand des Werks, das nach langem Niedergang schließlich 2002 seine Pforten schließen musste. Heute befindet sich in Teilen des alten Ausbesserungswerks die Werkstatt der DB Regio AG, in den Richthallen I und III aber wurde das Einkaufszentrum „WerkStadt“ eingerichtet.

Der Plan rechts zeigt das Ausbesserungswerk im Jubiläumsjahr 1987. Rot umrandet die Richthallen I bis III, zwischen den Hallen I und II befindet sich die große Schiebebühne. Der rote Pfeil ganz rechts markiert die Zufahrtstraße vom Bahnhof her; an dieser gruppieren sich die Verwaltungsgebäude (Nr. 1 und 2) und die Ausbildungswerkstatt (3). Im Osten der markante Bau der Elektrowerkstatt (4), neben den Richthallen I und III das Kesselhaus (5). Im Nordwesten des Geländes (heute etwas verloren im Bereich des Parkdecks) der Betonbunker in Zuckerhutform (6).

Lageplan des Aw Limburg (Lahn) 1987







© Christoph König;   letzte Änderung: 22. 12. 2014